Review | Fage MC – Verderb und Gedeih

Als ich das erste Mal einen Blick auf das Cover des Albums „Verderb und Gedeih“ des Tübinger Rappers „Fage MC“ warf, war ich mir nicht sicher, was mich dahinter erwarten würde. Düster kommt das Motiv rüber, welches wohl Finsternis und auch Hoffnung widerspiegeln soll. Doch genug der visuellen Sezierung, widmen wir uns dem akustischen Teil:

Wer auf dem am 20.04.2012 erschienenen Album nach bekannten Rap-Produzenten sucht, wird nicht fündig werden, denn für die komplette Produktion zeichnet Frank Zumbroich verantwortlich. Frank wer? Nach kurzer Recherche bei einer als Suchmaschine getarnten Spionagestelle weiß ich also, dass Frank Zumbroich ein Musiker ist, der neben der Beteiligung in diversen Bands und der Arbeit bei EMI noch ein eigenes Studio hat und Künstler produziert. Es darf von vorn herein konstatiert werden: Wer Boom Bap Sound sucht, ist hier falsch. Zumbroichs Produktionen sind im Vergleich eher steril und glatt, setzen auf digitale Instrumente und teilweise harte Gitarren statt auf gesampelten Vinylsound.

Aber genau dieser musikalische Teppich ist es, den Fage MC braucht, um darauf seine Geschichten zu erzählen. Und damit ist er eigentlich schon gut beschrieben: Fage MC ist weniger ein typischer Rapper, seine Texte beschreiben teilweise harte, ernste Geschichten über das die Menschen, die weniger Glück im Leben haben. Miese Kindheit, häusliche Gewalt („Schwerelos), Diskriminierung („Bestie“) und das Ende einer Beziehung („Verdammte Tür“) sind nur ein paar Beispiele, die zeigen, dass Fage MC sich nicht zu schade ist, sensible Themen aufzugreifen. Doch wie er die Seite des Verderbs genau thematisiert, nimmt er auch auf der Gedeih-Seite den Faden auf und zeigt in Tracks wie „Gepflanzt zu gedeih’n, gebor’n um zu leben“, dass man auch die positiven Seiten des Lebens nicht vergessen sollte und dass immer etwas entsteht.

„Doch da ist er nun, baumhoch und standfest und sieht, wie jede seiner Strophen heranwächst.“

Auch wenn ich einen anderen Beatstil bevorzuge, muss man festhalten, dass Fage MC sehr gut mit den Instrumentalen von Frank Zumbroich harmoniert. Wer in seiner Freizeit auch mal zur Rock-Scheibe greift, sollte sich dieses Werk einmal zu Gemüte führen, denn lyrisch ist Fage MC absolut überzeugend. Wo sich viele Rapper heutzutage mit leichter Kost zufrieden geben, prangert er an und gibt dem Genre des Storytellings einen feinen Anstrich. Raptechnisch sollte man keine 8-silbigen Reimgeschosse erwarten, aber das ist auch nicht die primäre Zielsetzung. Aus meiner Sicht geht es darum, dass der Hörer das fühlt, was der Künstler zu sagen hat. Und wer sich ein bisschen mit Fages Geschichten identifizieren kann, wird das tun. Wort drauf.