Review | Fage MC – Verderb und Gedeih

Als ich das erste Mal einen Blick auf das Cover des Albums „Verderb und Gedeih“ des Tübinger Rappers „Fage MC“ warf, war ich mir nicht sicher, was mich dahinter erwarten würde. Düster kommt das Motiv rüber, welches wohl Finsternis und auch Hoffnung widerspiegeln soll. Doch genug der visuellen Sezierung, widmen wir uns dem akustischen Teil:

Wer auf dem am 20.04.2012 erschienenen Album nach bekannten Rap-Produzenten sucht, wird nicht fündig werden, denn für die komplette Produktion zeichnet Frank Zumbroich verantwortlich. Frank wer? Nach kurzer Recherche bei einer als Suchmaschine getarnten Spionagestelle weiß ich also, dass Frank Zumbroich ein Musiker ist, der neben der Beteiligung in diversen Bands und der Arbeit bei EMI noch ein eigenes Studio hat und Künstler produziert. Es darf von vorn herein konstatiert werden: Wer Boom Bap Sound sucht, ist hier falsch. Zumbroichs Produktionen sind im Vergleich eher steril und glatt, setzen auf digitale Instrumente und teilweise harte Gitarren statt auf gesampelten Vinylsound.

Aber genau dieser musikalische Teppich ist es, den Fage MC braucht, um darauf seine Geschichten zu erzählen. Und damit ist er eigentlich schon gut beschrieben: Fage MC ist weniger ein typischer Rapper, seine Texte beschreiben teilweise harte, ernste Geschichten über das die Menschen, die weniger Glück im Leben haben. Miese Kindheit, häusliche Gewalt („Schwerelos), Diskriminierung („Bestie“) und das Ende einer Beziehung („Verdammte Tür“) sind nur ein paar Beispiele, die zeigen, dass Fage MC sich nicht zu schade ist, sensible Themen aufzugreifen. Doch wie er die Seite des Verderbs genau thematisiert, nimmt er auch auf der Gedeih-Seite den Faden auf und zeigt in Tracks wie „Gepflanzt zu gedeih’n, gebor’n um zu leben“, dass man auch die positiven Seiten des Lebens nicht vergessen sollte und dass immer etwas entsteht.

„Doch da ist er nun, baumhoch und standfest und sieht, wie jede seiner Strophen heranwächst.“

Auch wenn ich einen anderen Beatstil bevorzuge, muss man festhalten, dass Fage MC sehr gut mit den Instrumentalen von Frank Zumbroich harmoniert. Wer in seiner Freizeit auch mal zur Rock-Scheibe greift, sollte sich dieses Werk einmal zu Gemüte führen, denn lyrisch ist Fage MC absolut überzeugend. Wo sich viele Rapper heutzutage mit leichter Kost zufrieden geben, prangert er an und gibt dem Genre des Storytellings einen feinen Anstrich. Raptechnisch sollte man keine 8-silbigen Reimgeschosse erwarten, aber das ist auch nicht die primäre Zielsetzung. Aus meiner Sicht geht es darum, dass der Hörer das fühlt, was der Künstler zu sagen hat. Und wer sich ein bisschen mit Fages Geschichten identifizieren kann, wird das tun. Wort drauf.

Interview: Lina | RapSpot.de

Unsere Interviewreihe geht ja erst richtig los, und natürlich wollen wir nicht immer nur die Rapper zu Wort kommen lassen. Heute unterhalten wir uns mit Lina Burghausen, der Chefredakteurin des Online-Magazins „RapSpot“.

kR: Heute habe ich ja erstmals keinen „Artist“ zum Interview, sondern eine Supporterin. Lina, stell dich doch am besten mal vor.

Lina: Sehr gerne. Ich bin die Lina, 22 Jahre jung und Chefredakteurin von RapSpot.de, einem kleinen Online-Magazin über meine große Liebe – Hip Hop.

kR: Ich freue mich immer, wenn ich Frauen treffe, die Hip Hop lieben. Ich habe immer das Gefühl, dass wir Männer total überrepräsentiert sind. Wie kam es bei dir dazu?

Lina: Oh je, ich habe befürchtet, dass diese Frage kommt, und ich kann dir ehrlich gar nicht genau sagen, wie ich zu Hip Hop kam. Irgendwie war das immer da, neben anderer Popmusik. Da gab es Run DMC. Jay-Z mit „Hard knock life“. Das mochte ich schon als Grundschülerin. Dann kamen Deichkind, Samy Deluxe… mein Musikgeschmack hat sich nach und nach in diese Richtung entwickelt, ohne dass ich in meinem Bekanntenkreis jetzt jemanden gehabt hätte, der mich in die Richtung gepusht hätte oder überhaupt Rap gehört hat. Ich habe angefangen, mein ganzes Taschengeld in Musik zu stecken, hab ohne meinen CD-Player (mit unglaublichen 30 Sekunden Anti-Schock) nicht mehr das Haus verlassen. Und es gab einfach immer wieder Momente, in denen ich ein Lied entdeckt habe, und gemerkt habe – ja, das ist es, das ist dein Ding.

kR: Ja, das ist ein schleichender Prozess, irgendwann ist der Virus drin. Der Virus, selber Musik zu machen hat dich aber scheinbar nicht infiziert.

Lina: Naja, in gewisser Weise schon. Ich komme ja aus einer Musikerfamilie und wurde entsprechend ab meinem fünften Lebensjahr in die Musikschule gesteckt. Ich hatte Klavier-, Cello- und klassischen Gesangsunterricht und habe mich mit allem ziemlich schwer getan. Seit ich zwölf war schreib ich Songtexte, und da hab ich auch einige Jahr Raptexte geschrieben – ziemlich pubertären Kram, den ich weiß Gott niemandem zeigen möchte. Aber für mich war das – wie für viele andere Musiker – damals eine Art Selbsttherapie, eine Möglichkeit, vor allem negative Erlebnisse zu verarbeiten. Heute schreibe ich nach wie vor Songs, ich bezeichne sie aber liebevoll als „Popscheiße“, mit Hip Hop haben sie nichts zu tun. Ich bringe mir jetzt seit ein paar Jahren das Gitarrespielen bei und bin auch da ziemlich miserabel – das aktive Musizieren ist also eher eine Sache für mich. Also für das stille Kämmerlein.

kR: Bei mir hat’s unfreiwillig mit Blockflöte angefangen. (lacht) Lange her. Du bist scheinbar allgemein sehr kreativ, denn irgendwann hast du ja dann angefangen, für RapSpot zu schreiben. Erzähl mal.

Lina: Auch das war eigentlich eher ein schleichender Prozess. In der Wissenschaft nennt man sowas wie mich einen „Digital Native“, also jemand, der von vorn herein mit Onlinemedien aufwächst. Da ich in meinem Freundeskreis niemanden hatte, mit dem ich mich über Hip Hop unterhalten konnte, war ich schon mit 12, 13 Jahren in Foren aktiv. Ich hatte sogar mein eigenes Forum, war da also ein echter kleiner Crack. Irgendwann schrieb mich dann dieser Typ an, Tobias, dem RapSpot gehört. Ich solle mich doch da in seinem Forum anmelden. Das muss ungefähr 2006 gewesen sein. Ich hatte überhaupt keine Lust auf noch ein Forum und wir haben bestimmt zwei Stunden über ICQ diskutiert. Das Ende vom Lied war natürlich, dass ich mich trotzdem angemeldet habe. Und auch wie blöd gepostet habe. Das brachte mir recht schnell den Status einer Forenmoderatorin ein – Verdammt war ich wichtig. (lacht) Nach und nach hat sich RapSpot zu dem entwickelt, was es heute ist – ein Magazin. Wir haben die ersten News und Rezensionen geschrieben, die ersten Interviews gemacht. Ich hatte aber eher einen passiven Teil. 2008 bin ich dann spontan für zwei Redakteure eingesprungen und auf’s Splash! Festival gefahren. Dort musste ich meine ersten Videointerviews machen, an die ich mich heute echt mit einem Schmunzeln zurückerinnere. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich der Sache wirklich mehr Zeit gewidmet habe. Im Herbst 2008 haben wir dann einen Chefredakteur für das Team gesucht, weil die redaktionellen Aufgaben Überhand genommen haben. Die Aufgabe ging an mich. Und ich bin immernoch verdammt froh drüber.

kR: Überrascht hat mich, dass du – obwohl RapSpot sich ja auch mit sehr kommerziellen Künstlern beschäftigt – viele vergleichsweise unbekannte Künstler unterstützt, wie zum Beispiel Ket und Albino. Findest du es wichtig für das Magazin, alle Facetten der Szene abzudecken?

Lina: Ich würde sogar sagen, dass diese Künstler für uns die relevanteren sind. Interviews mit wirklich kommerziellen Künstler sind bei uns ja eher eine Seltenheit. Ich persönlich hätte auch nichts dagegen, unserer Künstler nur noch nach qualitativen Kriterien auszuwählen. Wir selbst sind ja auch unkommerziell, RapSpot ist ein reines Hobbyprojekt – von daher müssen wir auch nicht unbedingt Klickzahlen in der und der Höhe erreichen. Aber auch die kommerziellen Künstler gehören eben mit zur Rapszene, und auch dort gibt es ja verdammt gute Acts. Von daher sind wir da breit aufgestellt. Trotzdem: Mein Ziel mit RapSpot ist es, gute Musiker zu supporten. Ihnen eine Plattform zu geben. Zum Beispiel zuletzt das Interview mit Kendall Elijah aus Maryland: Den kennt hierzulande kein Mensch, aber ich habe seine Musik gehört und war so geflasht, dass ich ihn einfach interviewen musste. Und wenn ich dann Feedback bekomme a la „Wow, den kannte ich noch nicht, aber der ist echt dope – danke, dass du mir den gezeigt hast“ ist das Belohnung genug.

kR: Den muss ich mir gleich mal anhören. Hast du einen großen Traum, wen du gerne mal interviewen würdest?

Lina: Talib Kweli. Masta Ace. Mos Def. Das sind die, die mir zuerst einfallen. Natürlich sind das größtenteils meine Lieblingsrapper. Mit Talib war auch schon ein Online-Interview möglich, aber das ist natürlich nicht das selbe wie wenn man mit dem Artist vor einer Kamera sitzt. Auch wenn ich ein bisschen Angst habe, dann kein Wort rauszubekommen. Und natürlich würde ich mir nochmal eine richtig große Nummer wünschen – ein Jay-Z, der ja doch eine nicht ganz unrelevante Rolle auf meinem Weg zur Rapmusik gespielt hat, zum Beispiel.

kR: Ich durfte mich schon mit Masta Ace unterhalten, unbeschreibliches Gefühl. Was fasziniert dich an Jay-Z besonders?

Lina: Ja, ich saß mit Ace auch schon im Tourbus und musste ihm und seinen eMC-Kollegen und Marco Polo erklären, was das Völkerschlachtdenkmal ist („Is Napoleon buried on top of it?“). Aber ein Interview ist immer noch etwas anderes. Was Jay-Z betrifft: Er ist einfach ein Profi. Er schafft, es kommerzielle Musik zu machen und dennoch irgendwie immer authentisch zu bleiben und seine Streetkredibilität nicht zu verspielen. Ich glaube, Jay-Z ist so ziemlich unhatebar.

kR: Ich mag das aktuelle Album mit Kanye gar nicht, der Sound ist viel zu austauschbar für mich. Aber wir wollen ja nicht haten, deshalb wieder zu dir und gerade diesem Konflikt. Wenn man in einer Redaktion miteinander arbeitet, kommen natürlich viele Geschmäcker zusammen. Ist das manchmal schwer für dich, Beiträge durchgehen zu lassen über Künstler, die du persönlich gar nicht magst?

Lina: Ich kann schon nachvollziehen, dass man „Watch the throne“ nicht mag – auch wenn ich finde, dass Jiggas Anteil da im Vergleich zu Kanye verhältnismäßig klein ist. Austauschbar find ich das aber nicht – nur eben ziemlich flach. Aber zu deiner Frage: Nein, eigentlich hatte ich damit keine Probleme. Wir hatten nur des Öfteren mal Diskussionen bezüglich der Frage, wen wir interviewen. Künstler wie Massiv oder Fler habe ich da immer ziemlich verweigert. Mittlerweile habe ich aber gemerkt, dass man mit den richtigen Fragen mit solchen Künstlern echt interessante Interviews zustande bringt. Man darf da ja durchaus kritische Fragen stellen. Dazu kommt, dass RapSpot eben ein Hobbyprojekt ist, sprich alle meine Redakteure ihre Freizeit dafür opfern, Beiträge zu schreiben. Da sollen sie auch über das schreiben können, was sie interessiert. Allerdings sind wir eigentlich musikalisch im Großen und Ganzen auf einer Wellenlänge – es gibt da keinen im Team, wo ich sage „Oh Gott, der hat ja einen furchtbaren Musikgeschmack“. Ich kann bei allen nachvollziehen, warum sie das und das feiern. Ich denke, das ist eine ganz gute Basis für die Zusammenarbeit.

kR: Gibt es Künstler, wo du eine „Null-Toleranz-Grenze“ hast?

Lina: Persönlich oder für RapSpot?

kR: Hm. Sowohl als auch?

Lina: Persönlich ist die Liste natürlich um einiges länger. Ich finde zum Beispiel einen Kollegah ganz furchtbar, weiß aber, dass es sicher den ein oder anderen Leser bei uns gibt, der sich für ihn interessiert. Ein Interview würde ich also durchaus mit ihm machen. Auf RapSpot gehören dagegen einfach keine Trash-Sachen. Ein Moneyboy zum Beispiel. Auch musikalische Geschichten die irgendwie in Richtung Atzen gehen, blocke ich eigentlich immer ab. Und schlecht gemachter deutscher Gangsterrap – da gibt es ja eine ganze Reihe Künstler, die mich immer wieder anschreiben. Was in derem Ghetto – oder Offenbacher Vorort – passiert, interessiert unsere Leser einfach nicht. Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier die Regel. Wenn es also einen Redakteur gibt, der die richtigen Fragen dazu stellt, dann bin ich da auch offen. Ich passe aber immer auf, dass solche Geschichten thematisch nicht die Überhand nehmen.

kR: Hast du schon Erfahrungen gemacht mit Künstlern, die du selber nicht magst, die dich überrascht haben?

Lina: Witzigerweise hat mich beispielsweise Kitty Kat echt positiv überrascht. Musikalisch halte ich von ihr nicht viel, aber sie war eine unglaublich höfliche und aufgeschlossene Interviewpartnerin. Auf eine völlig andere Weise überrascht hat mich zum Beispiel Nneka. Sie mag ich ja musikalisch recht gerne, habe sie in anderen Interviews aber immer als sehr kühl und desinteressiert empfunden. Im Interview mit mir hat sich dieser Eindruck überhaupt nicht bestätigt. Sie hat mich echt beeindruckt: Sie ist so eine kleine, zierliche Person und hat echt krasse, intelligente, philosophische Sachen rausgehauen, die mich zum Teil sogar echt aus dem Konzept gebracht haben, weil sie so deep waren. Damit hätte ich bei einer Sängerin – selbst bei einer Nneka, die ja doch recht reflektive Musik macht – nicht gerechnet.

kR: Apropos deep. Wie wichtig sind tiefsinnige Texte für dich? Ich höre oft, dass Rap ja in erster Linie Unterhaltung ist und damit eigentlich alles erlaubt ist.

Lina: Für mich sind Texte das A und O. Darum geht es im Rap – um die Aussage. Das heißt nicht, dass ein Text nicht auch mal flach sein darf. Dann kommt es für mich aber auf Originellität an. Persönlich höre ich aber fast nur deepe Sachen. Für mich sind Menschen, die so mit Worten spielen können wie ein Wordsworth oder ein Common oder in Deutschland Amewu oder Donato die echten Künstler.

kR: Tut es dir weh, dass solche Künstler im Vergleich zu (beispielsweise) Haftbefehl so wenig Resonanz bekommen?

Lina: Hmmm, das ist schwer zu sagen. Ich finde es schade, ja. Andererseits bin ich wahrscheinlich zu sehr Wirtschaftsstudentin, um die auf der Hand liegenden Gründe zu ignorieren: Es war schon immer so, dass sich leichte, oberflächliche Kunst besser verkauft hat. Musik ist für die meisten Menschen nicht das selbe wie für mich. Ich konsumiere Musik sehr bewusst und habe einen hohen Anspruch daran. Den Meisten geht es dagegen primär um Unterhaltung. Sie hören Musik in Clubs oder im Auto und wollen da nicht mit ernsten Themen konfrontiert werden, um die sie sich vielleicht generell noch nie Gedanken gemacht haben. Für solche Menschen sind Künstler wie Amewu einfach nichts. Von daher wird anspruchsvolle Musik wohl immer ein Nischenprodukt bleiben. Das heißt aber nicht, dass man solche Musiker nicht supporten und ihnen Aufmerksamkeit verschaffen kann. Dafür sind Plattformen wie RapSpot ja da. Und dass das durchaus Erfolg haben kann, sieht man am Beispiel von Amewu momentan ja ganz gut. Ich habe zumindest das Gefühl, dass er gerade verdammt gute Resonanz bekommt. Ein ausverkauftes Lido ist doch ein ziemlicher Erfolg für einen „Nischenkünstler“.

kR: Was planst du, wo das Hip Hop Ding dich noch hinführt?

Lina: Naja, man kann sowas ja nur bedingt planen. Ich würde mir aber schon wünschen, dass Hip Hop weiterhin ein wichtiger Bestandteil meines (auch beruflichen) Lebens bleibt. Ich schreibe ja momentan meine Bachelorarbeit über die Vermarktung eines gewissen Rappers mit Pandamaske und würde mir wünschen, diese Forschungsarbeit irgendwann beruflich auch umsetzen zu können, vielleicht auch für unbekanntere Künstler. Ein paar Sachen habe ich in der Richtung in der Vergangenheit auch schon gemacht. Ansonsten möchte ich weiterhin einfach verdammt gute Musik hören, mit interessanten Menschen Gespräche führen und das, was ich tue, lieben. Ich denke das ist realisierbar. (lacht)

kR: Ist die Pandamaske wirklich dazu da, die Identität zu wahren? Oder doch nur ein Mittel, um künstlich Spannung aufzubauen?

Lina: Das musst du wahrscheinlich das Chimperator-Management fragen. Ich tippe auf beides und denke auch, dass es sich nicht unbedingt ausschließt. Es ist natürlich auch ein Markenzeichen, das darf man nicht vergessen. Das, was bei Flavour Flav die Uhr ist, ist bei Cro eben die Pandamaske.

kR: Ich denke ich bleibe bei Sound als Markenzeichen. Was ist dein Markenzeichen?

Lina: Für die meisten wahrscheinlich mein Sprachfehler. (lacht) Ich weiß nicht, können Journalisten ein Markenzeichen haben? Ein Kollege von einem anderen Magazin sagte mir mal, ich sei viel zu nett und höflich zu Rappern, das hätte schon was Groupiemäßiges. Ich bin der Meinung, dass Respekt und das ein oder andere nette Wort nichts mit Groupiesein zu tun hat. Ich bin zu allen Menschen grundsätzlich nett und höflich, warum soll ich mich einem Rapper gegenüber dann anders verhalten? Das heißt ja nicht, dass ich keine kritischen Fragen stelle. Vielleicht ist diese (offenbar) überdurchschnittliche Loyalität mein Markenzeichen.

kR: Nett und höflich zu sein ist doch die Grundvoraussetzung für ein gutes Gespräch. Hast du noch ein nettes, höfliches Schlusswort für uns?

Lina: Natürlich. Ich danke dir für die interessanten Fragen und für das Interesse. Es ist mir immer eine riesige Freude, auf Menschen zu treffen, denen an guter Musik genauso viel liegt wie mir. Wer sich ein Bild von dem, was ich so tue, machen möchte, sollte mal bei www.rapspot.de vorbeischauen oder unserer Facebook-Fanpage ein Like spendieren. Vielen Dank für die Unterstützung. Hip Hop lives!

kR: Word.

Interview: Sokom | Frischer Wind

kR: Grüß dich, am besten stellst du dich erstmal selbst vor für die, die dich nicht kennen.

Sokom: Hi, ich bin Sokom. 24 jähriger Rapper aus Freiburg.

kR: Wie bist du zu dem Rap-Ding gekommen?

Sokom: Ich hab früher viel gezeichnet und bin so dann zum Graffiti gekommen. Damit kam dann unweigerlich der Hip Hop- und auch die Rap-Musik immer mehr in mein Leben. Man lernte mehr und mehr Leute kennen und so kam eines zum anderen. Irgendwann verlagerte sich mein Interesse immer mehr zur Musik. Bin aber zufrieden, wie es gelaufen ist.

kR: Man kennt dich ja vielleicht schon von deinem ersten Album „Raus mit der Sprache“ aus 2009. Was hat sich seitdem bei dir getan?

Sokom: Wie ich auch schon im Titelsong „Frischer Wind“ sage, musste ich mir in erster Linie selbst beweisen, dass ich nicht eingerostet bin, da ich seit RMDS kaum irgendwo zu hören war. Neben den Netzwerke-Releases gab es ein Feature auf Revilos Mixtape „Unter Strom“ welches sehr sehr dope geworden ist. Zudem ist noch ein fantastischer Song auf dem „Segen und Fluch“ Album von den Inflabluntahz gelandet, auf dem ich neben Franksta‘ zu hören bin. Auf die Features bin ich sehr stolz da die Inflabluntahz wie auch Revilo ganz große Künstler sind.

kR: Was beim Hören deines Albums sofort auffällt, ist dass der Sound sich geändert hat. Wo letztes Mal noch Ill-Luzion, Lionbeat, eMI und Hades am Werk waren, hat jetzt Oliver Noise die gesamte Produktion übernommen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und warum gerade Oliver Noise?

Sokom: Was manche vielleicht nicht wissen, ist, dass Oliver Noise ehem. Lionbeat ist. Er hat auf „Raus mit der Sprache“ den Titeltrack und „All Time Greatest“ produziert. Durch die Zusammenarbeit ist trotz der Distanz zwischen Freiburg und Siegen eine sehr enge Freundschaft entstanden. Auch über die 3 Jahre Durststrecke in der ich wie schon gesagt kaum zu hören war, hat er mich konstant mit überragenden Beats versorgt die ich größtenteils gar nicht verarbeiten konnte, da mein Output an Texten zeitweise auf den Nullpunkt gesunken war. Dieses ständige Hören solcher Beats dieser Qualität, hat mich sozusagen am Leben gehalten. Dass der Sound sich etwas geändert hat, ist mir im ersten Moment selbst gar nicht aufgefallen. Die Beats haben mir genau das gegeben was ich gebraucht habe. Ich wurde im Nachhinein hier und da darauf angesprochen dass die Beats nicht mehr so „Boom-Bapig“ wären als auf RMDS. Sicher hat sich einiges verändert aber es liegen auch 3 Jahre zwischen den beiden Alben. Ausserdem sind nach wie vor haufenweise Samples in den Songs verarbeitet. Auf diese Beats konnte ich meiner Meinung nach den ehrlichsten und ungezwungensten entfalten. Deshalb liegt mir persönlich aus so viel an dem Album. Wir haben beide gemerkt, dass es gut passen würde das ganze Album zusammen zu machen. Das Intro ist der einzige Ausreißer. Das wurde von Trap-Music aus Freiburg produziert. Auch ein überragendes Teil.

kR: Siehste, das wusste ich gar nicht. Weiterhin fällt auf, dass du im Gegensatz zu RMDS dieses Mal keinen einzigen Gast hast.

Sokom: Ja – das war von Anfang an mein Gedanke zu dem Album. Ich wollte einfach ein pures Sokom Album machen. Natürlich viel es mir schwer nicht  all meine Lieblings Mc’s anzufragen aber jetzt bin ich stolz es so mit Olli verwirklicht zu haben. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch von der Trackmenge überschaubar geworden. Ich wollte wirklich nur die Essenz auf der CD und keine Lückenfüller.

kR: Du wandelst gerne auf der Schwelle. In einem Track denkt man, man würde einem wenig selbstbewussten Menschen zuhören, im nächsten Track nimmst du gerne mal alles auseinander. Woher kommt die Power, die du in den entscheidenden Momenten hast?

Sokom: Grundsätzlich bin ich bin ein impulsiver, jedoch beherrschter Mensch. Natürlich gibt es Phasen, in denen man denkt, man schafft das alles nicht. Auf der anderen Seite bin ich reizbar und würde, um auf den Tisch zu hauen, alles über den Haufen werfen. Manchmal ist man dazu aber nicht in der Lage und die Gefühle stauen sich. So entsteht bei mir Wut. Diese Gemütsschwankungen machen die Stimmungsunterschiede in den Songs aus. Das kennt jeder, denke ich.

kR: Absolut. Was planst du als nächstes? Läuft dein Schreibprozess jetzt wieder auf Hochtouren?

Sokom: Ich bin definitiv hochmotivert, will aber einen etwas konkreteren Plan haben, in welche Richtung es gehen soll… Genau diesen Style weiter, mehr Gesang, mehr Live Instrumente, mehr Back to the Roots oder doch alles zusammen? Du merkst ich bin noch unentschlossen. Ich bin auf jeden Fall ein Freund sauber abgeschlossener Projekte.

kR: Ein Verstecken für „so long“ wie vor diesem Album soll es jedenfalls nicht geben?

Sokom: Definitiv nicht. Auch wenn das nicht heißt, dass gleich das nächste Release ansteht. Ich werde viel live spielen, was mir auch am meisten Spaß macht und natürlich an einem neuen Projekt arbeiten. Diesbezüglich gibt es aber noch keinen konkreten Plan. Ich habe einige sehr, sehr gute Musiker kennen gelernt und der Rest wird sich in der Zukunft zeigen.

kR: Du kritisierst in deinen Tracks gerne die heutige Szene.

Sokom: Ehrlich gesagt wollte ich mich von diesem „Über die Szene beschweren“ etwas verabschieden. Hier und da habe ich das wohl noch nicht ganz aus mir rausbekommen können. (lacht) Für mich ist das ein Reifeprozess. Man wird älter und findet sich mit gewissen Dingen ab. Jedoch rege ich mich jedes mal aufs Neue über schlechten Rap auf und könnte mir auch immer wieder darüber das Maul zerreißen. Das ist schwer auszutreiben. Manchmal wünschte ich mir etwas mehr Gelassenheit.

kR: Gelassen zu bleiben ist nicht immer einfach. Hast du noch ein gelassenes Schlusswort für uns?

 Sokom: Ich habe während der Entstehungszeit dieses Albums erneut gemerkt, wie wichtig es ist, einfach nur Bock zu haben und total eurphorisiert etwas ganz Besonderes entstehen zu lassen. Ohne Hintergedanken an die Zukunft. Das macht das alles für mich persönlich so unangreifbar, weil mir die unglaubliche Zeit mit AndOnez im Studio und Oliver Noise keiner nehmen kann. Diese Erkenntnis wünsche ich jedem MC da draußen. Just do it! Wir werden alle keine 50 Cents … also immer schön locker durch die Hose atmen! One

Interview: Ket | Traverser la rue

kR: Moin Ket! Fang doch am besten mit einer kleinen Vorstellung an.

Ket : Okay, also ich bin Ket, komme aus Leipzig, habe vor ca. 12-13 Jahren angefangen, Raptexte zu schreiben, bin seit einigen Jahren bei dem kleinen Leipziger Label Spitainment und habe dort am 31.3. mein erstes Album „Traverser la rue“ rausgebracht.

kR: Gute weibliche MCs sind selten. Woran liegt es deiner Meinung nach, dass hier Männer mehr im Fokus stehen?

Ket: Oh Gott, diese Frage… Ich hab keine Ahnung. Es gibt halt einfach mehr Männer, sicherlich, weil sie damit angefangen haben und es schon lange als „Männerdomäne“ galt. Aber ich meine… in vielen anderen „Berufen“ oder Bereichen sieht es ja genauso aus. Frag mich nicht warum, mir ist eigentlich vollkommen egal, ob ein MC männlich oder weiblich ist, für mich zählt Qualität.

kR: Absolut… scheiß auf Klischees! Wie kam es, dass du mit Rap angefangen hast?

Ket: Ich hab damals, als ich so 15 war, angefangen, Rap zu hören. Erstmal natürlich Deutsches, dann bin ich irgendwie auf den Wu-Tang Clan gekommen und war schon immer ein Sammler, sprich: Wenn ich irgendwas gefeiert hab, wollte ich immer alles davon haben. Zu der Zeit gings mir nicht sonderlich gut. Ich hab, seit ich 14 war, Gedichte geschrieben, um sowas zu verarbeiten. Na ja, auf jeden Fall kam ich dann über Wu-Tang Clan auf Sunz of Men und über die auf IAM. Und da hab ich einen Track gehört, der mich so umgehauen hat, der mich so berührt hat und genau das ausgesagt hab, worüber ich auch nachgedacht hab. Und das auf so wunderschöne Art und Weise, dass ich mir dachte: Okay, versuchst du das auch mal, ich will das auch können. Also hab ich angefangen aus den Gedichten Raptexte zu machen, natürlich erstmal nur für mich. Der Track war übrigens „Nés sous la meme étoile“ von IAM.

kR: Kommt durch dieses IAM Erlebnis auch dein französischer Einfluss? Oder hattest du die Affinität schon vorher?

Ket: Ich hab Rap schon vorher gefeiert, aber irgendwie hatte französischer Rap so was ganz besonderes an sich, was mich viel mehr geflasht hat als das meiste deutsche oder amerikanische. Dazu die Stimme von Shurik’N, die wunderschönen Beats. Also hab ich auch da angefangen zu sammeln und ich find die Sprache halt auch so wunderschön, auch für Rap. Die haben einen ganz eigenen Style, einen eigenen Flow, ich mag die bildhafte Sprache. Das hat mich von Anfang an beeindruckt und beeinflusst. Mit IAM fing es an, ging weiter mit Oxmo Puccino, Fonky Family, Psy4 de la rime, allen voran Soprano, Sniper, Arsenik (v.a. Lino!) und weiter bis zu anderen Rappern, die noch nicht so lange im Kreis meiner Helden sind, wie z.B. Youssoupha, REDK und Mino.

kR: Jetzt bist du ja mit deinem ersten eigenen Album rüber gekommen, „Traverser la rue“. Wie fühlt es sich an, das erste eigene Release in der Hand zu halten?

Ket: Total verrückt! Ich meine… selbst ich hab ja eine Zeit lang geglaubt, es wird niemals kommen, aber ich hab grad wieder richtig Hunger gekriegt und es ist schön, dass ich jetzt endlich sagen kann „Ja. Ich hab ein Release“, auch wenns sich immer noch komisch anfühlt. Ich hab sogar bei meiner Releaseparty vergessen zu erwähnen, dass es das dort zu kaufen gibt, weil das so ungewohnt war. In einem Satz: Ich freu mich wie ein kleines Kind!

kR: Kann ich mir gut vorstellen! Du hast angesprochen, dass es etwas länger gedauert hat. Wie lange hast du dran gearbeitet?

Ket: (lacht) Na ja, direkt intensiv dran gearbeitet hab ich ca. ein Jahr. Also der letzte Ruck, der mich angestachelt hat, war voriges Jahr Ende Februar. Allerdings hab ich schon vor 5 Jahren gesagt, irgendwann kommt ein Album und es ist aber nie was passiert, bisher war ein „Ket Album“ immer so eine Art running gag.

kR: Ein Jahr ist ja harmlos… wir hatten Exzem mal zum Interview bei uns, der hat brutto 5 Jahre daran gesessen. Aber bleiben wir bei deinem. Soundtechnisch orientierst du dich eher an den 90ern, Samples dominieren das Soundbild. Nur der Titeltrack klingt elektronisch. Typisch für dich?

Ket: Ich finde, dass auch „Ich lauf und ich lauf“ und „Haltet die Zeit an“ ganz schön rausstechen. Klar, ich bin halt mit dem 90s Boom Bap Rap groß geworden, aber ich hab auch einen breit gefächerten Geschmack. Ich hab auch mal Bock auf was „moderneres“, was vielleicht keiner wirklich erwartet hat. Eigentlich hab ich bis jetzt immer solche traurigen Samplebeats gehabt, aber da ich auf dem Album, eben weils das 1. ist, möglichst viele Seiten zeigen wollte, ist „Traverser la rue“ so ganz anders. Ich meine, ich hab halt wirklich die Straße überquert und so ein Track wäre zum Beispiel 2010 für mich absolut unvorstellbar gewesen. Daher ist das der Titeltrack, ich find er passt halt zum Titel und dazu, wie es mir da gerade ging: Arsch hoch, los geht’s, mutiger sein!

kR: Also bedeutet „Die Straße zu überqueren“ für jeden, Grenzen zu prüfen und auch mal über den eigenen Schatten zu springen?

Ket: Für mich definitiv, also im übertragenen Sinne. Natürlich hat das auch bissl was mit dem „Ey, ich bin Straße“ Ding zu tun, was ich ja mal so gar nicht erfülle. Aber ich glaub, man muss, um den 1. Gedanken zu verstehen, wissen, wie ich immer Straßen überquert hab (also…jetzt wörtlich gemeint). Sowohl zu Fuß als auch beim Autofahren hab ich immer brav auf Grün gewartet… auch wenn die Straße frei war. Ich bin ohne Ampel erst über die Straße, wenn wirklich alles frei war. Immer Nummer sicher. Aber das hat sich halt auch irgendwie geändert. Also ich respektiere aber immer noch Verkehrsregeln. (lacht) Du weißt, was ich meine. Heute gehe ich halt auch mal bei Rot über eine Ampel.

kR: Ein bisschen Rebell steckt in uns allen, denke ich. Du hast eine ziemlich große Straße überquert, bist von Leipzig nach Siegen übergesiedelt. War das sehr schwer für dich?

Ket: Ja, sehr. Das war das Ding: Vernunft gegen Gefühl. Das Herz hat gesagt: „Bleib hier“. Ich hab ja alle meine Freunde und meine Familie in Leipzig, kannte niemanden in Siegen. Aber die Vernunft hat gesagt: „Geh hin“. Weil ich ja irgendwie im Leben voran kommen will. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, also hab ichs riskiert. (Ja, auch bis dahin voll untypisch für mich). Und es hat sich sowohl beruflich als auch musikalisch sehr positiv ausgewirkt, alles andere lässt sich dadurch ganz gut kompensieren.

kR: Dein Ehrgeiz zeigt sich auch auf dem Album, du hast lediglich zwei Feature-Parts. Hattest du zu viel zu erzählen?

Ket: (lacht) Ist ja mein erstes Album. Nee, ist ja nich so, dass ich niemanden da drauf haben wollte. Dass Scientist dabei sein muss, war klar, er is ja quasi mein Papa und mit Akino… das passte halt auch gut. Ich glaub, ich musste echt erstmal was eigenes abliefern. Aber keine Angst, ich bin kein Egomane, ich arbeite gerade an vielen, vielen Features.

kR: Gutes Stichwort. Was planst du für die Zukunft?

Ket: Oh, eine größere Wohnung mit separatem Schuhzimmer, einen Doktortitel und eine Familie. (lacht) Nee, Spaß beiseite: Ich arbeite gerade mit vielen Leuten zusammen, mache einige Features für deren Projekte, zum Beispiel für eine Art Produceralbum von Chriss-Slik, der die Hälfte meines Albums produziert hat. Ansonsten arbeite ich halt auch an meinem nächsten Release, was genau das wird und wann es kommt, kann und will ich aber noch nicht sagen. Ansonsten stehen ja noch paar Konzerte an und ich hoffe, es kommen noch ein paar dazu. Ich bleibe in Bewegung, es wird auch noch ein paar franco-allemand Kollabos geben… Lasst euch überraschen, ich will nich zu viel sagen, solange nix 100%ig sicher ist .

kR: Klingt als hättest du noch viel vor! Ein eigenes Schuhzimmer… Du hast ja einen frauen-untypischen Schuhtick, sammelst Sneaker. Wie viele besitzt du?

Ket: (lacht) Ich möchte darauf hinweisen, dass ich fast ausschließlich Sneakers besitze! Ich muss mal wieder nachzählen, aber ich glaub Nummer 70 ist gerade auf dem Weg zu mir…

kR: Jeder hat so seine Schwäche. Noch eine musikalische Frage: Du hast unter anderem ein Video zu „Schnall die Message“ beigetragen, ein Gegenmodell zu „Halt die Fresse“, das von Callya ins Leben gerufen wurde. Braucht vernünftiger Rap wieder mehr Aufmerksamkeit?

Ket: Ja… definitiv! Ich fand die Idee super, dazu schätze ich Callya sehr, sowohl als Künstler als auch als Mensch. Im Moment wird ja überall auf dicke Hose (oder Bluse) gemacht und das hat sicherlich auch seine Berechtigung, aber ich mag halt auch eher Musik, die mir mehr sagen will, als dass sie die beste und härteste ist. Die Entwicklung im Moment zeigt aber, dass auch diese Richtung wieder geschätzt wird, siehe Aphroe, Funkverteidiger, Herr von Grau oder Amewu. Ich mag halt dieses Geprolle nicht so… und freue mich, wenn es auch anderen so geht und sie nicht nur Interesse an möglichst provokativen Texten haben. Es ist definitiv Zeit für mehr Echtheit, mehr Authentizität! Ich bin kein Freund von Images und Masken…

kR: Gutes Statement. Hast du in der Hinsicht Tipps für uns, wen hörst du gerne?

Ket: Aaalso ich feiere zum Beispiel gerade Oddisee sehr! Sein neues Album „People hear what they see“ ist großartig. Ansonsten natürlich das neue OC Album… schon allein wegen der Apollo Brown Beats. Wen ich auch sehr, sehr schätze ist der Kollege 2Seiten, sein Album „Perspektiefen“ ist auf jeden Fall einen Blick wert! Ich höre relativ wenig Deutsches, aber er gehört dazu! Der Mann ist unglaublich! Donato natürlich auch! Sowas will ich hören, und wenn wir nach Frankreich kommen natürlich Lino, Radio Bitume ist super, Youssoupha mit seinem Album „Noir désir“ ist definitiv im Kreis meiner Helden aufgenommen. Dort befinden sich schon Soprano und REDK (das neue Album „E=2MCs“ ist nicht nur inhaltlich sondern vor allem was Flow angeht überragend!) Und natürlich Vincenzo und Alonzo, herzensgute Menschen, das merkt man auch ihrer Musik an. Besonders gespannt bin ich auch auf das neue Release von Mino, das irgendwann kommt, den würde ich sofort heiraten. (Rein professionell versteht sich).

kR: Ja, die Begeisterung für 2Seiten und Donato kann ich nachvollziehen. Genau wie Donato wirkst du in deinen Reimen oft verletzlich. Stärkst du dich selbst mit Rap?

Ket: Oh, danke erstmal für den Vergleich mit Donato, was für eine Ehre. Ja… ich hab aus so einem Grund angefangen zu schreiben. Weil’s halt raus musste und ich bin auch immer besonders produktiv, wenn’s mir richtig beschissen geht. Das in Texte packen und verarbeiten hilft mir sehr und mich sprechen auch immer wieder Leute auf bestimmte Textzeilen an, die ihnen aus der Seele sprechen, das ist natürlich besonders schön. Geteiltes Leid ist halbes Leid oder so.

kR: Mir wurde mal gesagt, einer meiner Beats würde mit Premo mithalten. Insofern herzlich willkommen im Club der Größenwahnsinnigen! Dir gebührt das Schlusswort.

Ket: (lacht) Nicht schlecht, in Marseille nannte man mich die Diam’s Deutschlands und ich war vollkommen sprachlos… Verrückt! Also vielen Dank erstmal für das Interesse und die Möglichkeit, hier zu Wort zu kommen. Falls jemand Interesse hat: Das Album gibt’s immer noch bei hhv + über spitainment.de. Ich freu mich über jeden Einzelnen, der es diggt! Überquert die Straße, Freunde! C’est comme ca qu’on fait! Merci + spitainment. PENG

Callya | Der Erzähler / Kleiner Mensch

Macht Musik zu Vinyl!

Callyas EP „Der Erzähler / Kleiner Mensch“ ist dieses Jahr als digitaler Download erschienen, was dem Tübinger Rapper allerdings nicht genug ist. Gerne würde er das musikalische Schmuckstück auch als Vinyl anbieten, wozu er sich beim Crowdfunding-Anbieter Startnext registrierte. Das Konzept ist ziemlich einfach… Bei Startnext kann man die Vinyl „vorbestellen“, per Paypal oder Vorkasse. Startnext sammelt das Geld und stellt es Callya zur Verfügung, wenn der benötigte Betrag zur Pressung der Vinyl (hier: 1.729 €) zusammen kommt. Wird der Betrag nicht erreicht, bekommen alle Supporter ihr Geld zurück und das Projekt ist gescheitert. Risiko? Null. Mal abgesehen von Opportunitätskosten, die wohl nur die BWLer unter euch einrechnen. Da die Frist für das Projekt nur noch eine gute Woche läuft, starten wir hiermit noch mal einen Aufruf. Für 10 € bekommt ihr die handsignierte Vinyl, für 18 das „Schnall die Message“ T-Shirt oder das Shirt passend zur EP. Für 90 € gibt’s 1 von 5 Vinyl-Dubplates mit Bonus-Exklusivmaterial. Wer noch überzeugt werden muss, hört einfach hier in das EP-Snippet rein… unterstützt das!

Birthday: Dj SoulClap

Sondermeldung: Der kultuRAPort-Blog führt zwei neue Kategorien ein. Erstens sollen demnächst auch Interviews und Berichte zu talentierten Beatbauern zu finden sein. Und zweitens kurze Geburtstagsgrüße für wichtige Personen. Eine für mich wichtige Person, die heute Geburtstag hat, ist Dj SoulClap. Der Braunschweiger Dj und Produzent hat maßgeblich zu meiner Entwicklung beigetragen und immer Unterstützung gegeben, wenn ich sie brauchen konnte. Daher gibt’s von hier aus noch mal ganz offiziell herzliche Glückwünsche! Bleib gesund und weiterhin fleißig, was Musik und Familie angeht.

PS: Das aktuelle Collabo-Album mit eMC-Legende Punchline sollte weiterhin käuflich erworben werden… Support ist Ehrensache!

Snowgoons droppen doppelt

Schneemänner gibt’s nicht nur im Winter… Die Snowgoons jedenfalls kümmern sich herzlich wenig um Jahreszeiten, wenn es um ihre Veröffentlichungen geht. Das neue Album hatten wir ja bereits angekündigt, in üblicher Manier lässt das deutsch/dänische Produzenten-Trio jetzt langsam die Spannung steigen. Zwei Videos gibt es neuerdings zu bestaunen, wobei „Goon MuSick“ schon von Ende Mai ist. Aber „Snowgoons Dynasty Pt.2“ ist brandneu von heute und setzt auf Altbewährtes. Freestyle (Arsonists) am Mic, bedrohliche Klänge, dass man sich im Schrank verkriechen möchte. Zumindest, wenn man ein wack MC ist. Ha… Dazu gibt’s auch mittlerweile das neue Cover zu bestaunen und die Tracklist hat mit Größen wie Termanology, Sean Price, Blaq Poet, Ras Kass und Ghostface Killah auch einiges zu bieten. Die Jungs sind halt fleißig… auch im Sommer.